Tagebuch eines Kerwerburschen


Aus Kerwa-Zeitung Nummer 50 - 1999

 

Kerwa-Freitag

„Welcher Depp kam eigentlich auf die bescheuerte Idee die Kerm schon gestern einzuläuten? <Gähn>“ Den ganzen Tag plagten mich tierische Kopfschmerzen.

Früh um 8:00 Uhr war die Nacht um – kaum 4 Stunden geschlafen stand schon wieder die ganze Meute vor meiner Tür und holte mich zum Gemüs-holen ab. Wir fanden recht viel, aber reichen tut des eh net. Müssen morgen bestimmt noch mal raus.

Am Nachmittag begannen wir die Fähre aufzubauen und stellten zu unserem Entsetzen fest, dass einige Latten übers Jahr schwer gelitten haben. Also mussten wir einen losschicken, der neue Bretter organisierte. Gegen 18:00 Uhr endlich waren die meisten Gestelle auf ihren Wägen montiert und wir beschlossen für heute aufzuhören, da um 19:00 Uhr schon wieder Bömless-Austragn ist.

Punkt 19:00 Uhr war noch keiner an der Kreuzung. Zum Glück tauchten auf einmal von der Kirchstraße her mehrere Gestalten auf. Der Toni war auch dabei und trug wie immer seine Quetschen vor sich her. Nach 20 Minuten etwa war der Haufen auf ca. 35 Mann angewachsen.

Beim Lenhart, unserer ersten Station, liefen wir gleich zur Höchstform auf. Unser Kultlied Laurenzia gaben wir vor begeistertem Publikum zum Besten. Anschließend hielt unser Größter (Summi) seine Fürbitten für jene, welche die diesjährige Kerm nicht so feiern können wie sie’s gerne hätten (gelle, Jörg).

Nachdem wir reichlich tankten zogen wir Richtung Sternwert. Dort im Vorraum angekommen schrieen wir gleich zum Aufwärmen „Wer hat Kerm – Mir ham Kerm“. Alle Gäste schauten verwundert aus den Räumlichkeiten heraus. Dadurch aufgeheizt sangen wir gleich das Donau-Lied. Die Wanze folgte gleich hinterher und der Wirt brachte schon die ersten Maßen raus.

Anschließend beim Theo gabs wieder Bremser und wir gröhlten „Es gibt kein Bier auf Hawaii“. Auf dem Rückweg besuchten wir auch unseren ältesten Kirchweihburschen Konrad Hofmann und schwenkten Richtung Eddy.

Weiter gings über den Anker zu unserer Endstation zum Ratsherrn. Dort eingetroffen ertönte gleich wieder unser Schlachtruf und jeder suchte sich einen Platz. Toni packte dann tief in die Trickkiste und gab nicht nur Kerwa-lieder zu seinem Besten. Gegen 3 Uhr, total am Ende, schwankte ich heim.

 

 


 

Kerwa-Samstag

<<rrring>>   <<rrring>> mein Telefon klingelt – ich nahm ab, Frank dran und schimpft “Mensch, wo bleibst’n, alle sind scho’ draußen.“

Wie von der Tarantel gestochen stand ich auch, schaute auf die Uhr und sah es war schon dreiviertel zehn. Neun Uhr war Treffpunkt. Mist – eine dreiviertel Stunde zu spät. Ich eilte so schnell es ging, naus zum Matze seiner Hall. Und da standen sie schon und lachten: „Zu spät, zu spät!“

Das Gelächter war groß und da kam schon der große Meister Frank und rief „Nimm mal den Bulldog und den Hänger und fahr mit dener Junga naus Köhl hol!! Und nemm nou a paar Kisten mit für’n Salat auf dem Acker neben dran, weil der geht uns scho’ langsam aus.“

Gesagt getan.

Als ich wieder da war, nahm ich mir erst mal eine schöpferische Pause. Da kam auch schon die Karina auf mich zu und reichte mir eine große Tasse Kaffee.

Fünf Minuten später stürzte mich auf den ersten Geräteträger und befestigte meinen Maschendraht. Nach ca. 1 Stunde war ich dann mit dem Schmücken des Gerätes zum Glück fertig, denn alle Schiss lang kamen welche und löcherten mich, was als nächstes zu tun sei. So ging es dann den ganzen Tag. Ich war kurz davor Amok zu laufen.

Um drei Uhr schaute ich mir mal die anderen Wägen an und war stolz drauf das wir wieder solche schöne Wägen haben. Da kam auch schon wieder der Frank auf mich zu und meinte, ich soll zur Gartenlandhalle fahren um den Musikern aufzusperren.

Gegen 17:00 Uhr war ich dann wieder am Matze seiner Hall und sah, dass sie fertig waren mit schmücken. Ich half noch beim Aufräumen und ging anschließend nach Hause.

Gegen 21:00 Uhr war ich fertig mit dem Regenerieren und Anziehen und begab mich zum Beatabend in die Gartenlandhalle. Die Stimmung an diesem Abend war total super, Tiffany hat wie immer gut gespielt und auch in der Bar war es sehr lustig.

Gegen 4 Uhr Morgens kamen wir auf die Idee noch Kaffee trinken zu gehen, aber darauß wurde nichts, denn bei dem wir waren, hatte nur harte Sachen.

 



Kerwa-Sonntag

Sonntag früh, mein erster Gedanke: „Ich bin beim Hutch – wie kam ich dahin?“ Vor mir saßen 3 Schatten und erzählten mir was von Kerwa-Zeitung-Verkaufen. Jetzt seh ich langsam klar. Da waren vor mir der Frank, die Karin und der Hutch, reichten mir eine Tasse extra starken Kaffee rüber und meinten draußen ständen deine Kerwa-Zeitungen, geh in die Rehgasse und verkaufe sie.

Nach 1 ½ Stunden kam ich zurück und hatte keine Zeitungen mehr – alles verkauft!

Wir flachsten noch etwas rum und gegen 11:45 begab ich mich auf den Nachhauseweg. Um 12:46 war ich am Feuerwehrhaus in meiner Montur als Bulldogfahrer, suchte mein Fahrzeug und reihte mich in die Schlange ein.

Schon ging der Umzug los. Rehgass nauf, Sternwertsberg nou, Kampfschleife ums Meeviertel, beim Pfarrer vorbei, über die Kreuzung nüber, durch den Spinnaberg durch, Richtung Ausgrabungsplatz.

Dort angekommen, stellte ich mich zur Masse der Beteiligten dazu und hörte mir den Redner an. Anschließend suchten Geometer und Ausgräber das Fass.

Gsucht und Gfunna.

Der Peter stresste uns gleich rein, damit wir zum Foto machen kommen sollen. Alle vereint auf der Staffelei, tönte noch ein paar mal unser Schlachtruf, der in „Hopferla, Hopferla,“ umschwenkte. Zack, Bumm waren die Bilder geschossen.

Ich trank noch nen Kaffee, aß Kuchen und ging mit dem Hohen Rat auf seine Tour durch die Gaststätten.

Gegen 20 Uhr machten wir uns vom Eddy auf Richtung Gartenlandhalle immer noch in unserer Umzugskleidung und hörten die Musik an.

Die Bar besuchten wir dann zur späteren Stunde und verließen sie viel zu spät wieder...

 

 

 


Kerwa-Montag

<<Aufstehen>> <<Aufstehen>>, ich drehte mich um und sah die Kiste neben meinem Bett stehen, der da meinte, „auf, wir gehen in die Kirch!“ Nach dem Gottesdienst ging es erst richtig los mit dem Aufbauen des Schubkarrenrennens. Die ersten Besucher kamen gegen 13:30 Uhr, und gleich begann das Rennen. Ich belegte einen guten zweiten Platz und wählte bei der Preisverteilung eine Kiste Bier.

Nach dem wir dann auch alles abgebaut hatten, besuchten wir das Cafe Kraft. Das Fass wurde angestochen und ca. 20 Mann saßen in der Wohnstube von der Käthe. Bei Kaffee und Kuchen haben wir noch einige Ständerli zum Besten gegeben.

Um 20:00 Uhr trafen wir uns an der Kreuzung mit jeweiligen Wasenbraut. Geschlossen zogen wir dann mit Gesang zur Gartenlandhalle hin. Eintritt schnell bezahlt, noch jemanden zum Wasentanz verkuppelt und schon spielte DOMINO den Einzugsmarsch.

Unter den neugierigen der Besucher trainierten wir das Wasenziehen und man bekam am Rand mit, wie die Leute diskutierten, wer mit wem wohl runterziehen würde.

Nach ein paar flotten Tänzen waren wir ziemlich erschöpft und beschlossen darauf hin, Kraft in der Bar zu tanken.

Um 5 Uhr wurden wir rausgeschmissen und beschlossen Kaffe trinken zu gehen. Unterwegs grüssten wir höflich die Zeitungsfrau und sahen schon die Titelseite, wo die Alwerhöifer Kerm nur gelobt wurde.

Wir freuten uns riesig und gingen nach Hause.

 

 

 


Kerwa-Dienstag

Um 9 Uhr war ich schon bei der Käthe, einer der ersten wie ich gehört habe, holte meinen Rosmarienstengel und die Bändli ab. Den Stengel brachte ich gleich zu meiner Wasenbraut, die noch schlief.

Zu Hause angekommen machte ich noch geschwind Frühstück, las die Zeitung und legte gleich los mit dem Herrichten.

Gegen 12:30 dann traf ich beim Eddy ein, wo auch schon ein paar Wasenzieher waren und trank einen Schoppen.

„Was hast du für einen Knoten“, hörte ich auf einmal, „komm mal her, ich mach ihn dir Gscheit.“ Zerndt zupfte an meiner Krawatte rum, bis sie saß. Auch den Stengel richtete er noch mal nach. Dann kam auch schon der Hotte mit der Großlangemer Musik angefahren.

Noch schnell ein Gruppenfoto, der Umzug konnte beginnen. Mit viel Wer hat Kerm, Mir ham Kerm hopften wir Richtung Ortsmitte.

Am Plärrer vorbei wurde uns vom Abbern & Soß eine Flasche Schnaps gereicht. Am Hauptabholplatz der Wasenbräute, bei der Hedi, herrschte gute Stimmung. Die Mädels waren schon alle etwas angeheitert.

Mit einem Glasserl Wein, der uns die Battelträger reichte, reihten wir uns Altersmäßig nach dem Burschen in die Reihe ein. Mensch bin ich heuer weit vorne, und die Schlange hinter mir nimmt ja gar kein End.

Nach der Kreuzung flüsterte mir meine Wasenbraut mir, „ich muss noch mal kurz wohin,“ und eilte Richtung Lenhart. Meinem Vordermann gings genauso mit Seiner, hängen uns gegenseitig ein und hopften weiter.

An der Kreuzung wieder angekommen, stand sie da mit einem erleichterten Lächeln im Gesicht und ich holte sie zum zweiten Mal ab.

Wir zogen Richtung Gartenlandhalle, weiter auf den Wasen und schon begann die Musik mit der Polonaise. Wieso klappt auf dem Acker bloß nie der Walzer?

Nach dem Höpper-Tanz holte ich mir erst ein Seitla, dann ging ich zum Erinnerungsfoto.

Beim Goikerschlagen belegte ich einen guten Mittelfeldplatz, gewann einige Flaschen Most, die wir gleich vernichteten. Am Autoscooter hatten wir uns für 18:00 Uhr verabredet.

Auf dem Rückweg zum Wasen schoss ich meiner Braut noch einen kleinen Teddybär - dunkel war es auch schon geworden. Am Wasen angekommen stellten wir uns in einen großen Kreis zusammen und schwoften dahin.

Einzug der Wasenpaare war um 20:00 Uhr. „Jetzt essen wir was,“ sagte meine Tanzpartnerin“ und bestellte sogleich zwei Cordon bleau mit Pommes.

Dann kam der für mich an der Kerm schlimmste Punkt. Die Uhr hat 24 geschlagen – Kehr aus.

Vor der Gartenlandhalle versammelten wir uns und gaben noch einige Ständerli zum Besten. Mit dem Lied „is Feieromd“ sankten wir alle in eine betrübte Stimmung, da uns jetzt bewusst wurde, dass die Kerm rum war.

Diesen Schock verarbeiteten wir gleich in der Bar. Meine Stimmung verbesserte sich schlagartig, da wir wussten, das in 369 Tage wieder Kerm ist.

 

 

 

 

Kerwa-Mittwoch

Gegen 13 Uhr eilte ich zum Matze seiner Hall, wo schon einige waren. Wir schmückten geschwinde ab, verteilten das restige Gemüse unter uns und dachten an den berühmten Reim von Hanns Rupp:

 

Die schönsta Kerm im Meegrund,

malatti ist so gwa,

is dia in Alwerhouf’n

es geit ke schönera.

 

Ralf Spiegel

Pascal Philp

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